Land-Rover soweit das Auge reicht - Annette Flottwell & Takeo De Meter

Warum fährt man wieder und wieder zur nun 12. Land Rover Show im Billing Aquadrome? Es gibt immer noch neue und alte Land Rover Typen- damit meine ich die Fahrzeuge und ihre Besitzer - die man noch nie gesehen hat. Hier kann man sie berühren, Fragen stellen und sie fotografieren. In vollen Atemzügen geniessen wir Land Rover, den Geruch von Gummi, Schlamm, Benzin, Diesel, Auspuffgasen, bayrischem Bier (!), Aldi Salatöl, das wir Deutsche in ihren Dieseltank trichtern sahen, wir hörten V8 Motoren und Witze, Geheimtips und Sonderangebote. Und wo sonst kann man eine Serie 1 Feuerwehr bei der Arbeit oder einen echten 6x6 Defender entdecken?

Also machten wir uns schon sehr früh auf den Weg, um am Mittwoch morgen einen Platz möglichst dicht an den Clubständen zu sichern. Wir deckten uns in Frankreich mit Vorräten für zwei Wochen ein, so war gute und preiswerte Verpflegung gesichert. Leider geht das nicht mit LPG, doch 100 Liter Benzin füllten wir bereits bei uns in Flandern unter die Vordersitze.

Billing 2002 wurde zur größten Land Rover Show aller Zeiten. Mehr als 7000 Land Rover und 30.000 Besucher sind beim besten Willen nicht auf dem Gelände des Aquadrome unterzubringen! Händler machen gute Geschäfte und Clubs zeigen ihre besten Stücke. Das interessanteste sind doch immer noch die Typen, die einen verrosteten 6x6 Range Rover mitbringen oder den perfekt restaurierten 1950er Tickford Station Wagon im Wert von einer halben Millionen Euro. Neue Freundschaften entstehen schnell: Ein älteres Ehepaar schlendert vorbei, entdeckt unser Nummernschild und freut sich, daß wir aus Brugge sind. Die nächsten drei Stunden vergehen im Fluge: Charles Buckley kaufte seinen ersten Land Rover Serie II mit 70, er vermisste sie nach seiner Pensionierung bei der Luftwaffe. (Bild Charles_SII)

Schon früh finden wir den 6x6 Defender von Dave Spirett. Es handelt sich um einen sehr seltenen Reynold 6x6 Umbau, der Antrieb auf die zweite Achse funktioniert mittels Durchtrieb auf einen zweiten kurzen Kardan. Der Aufbau ist von Barnett in Bristol. Die Wasserwerke von Bristol bestellten diese Fahrzeuge 1993 für ihr schwieriges Sumpfgelände. Die Modifizierung erlaubte es, Wasserleitungen, Presslufthämmer und anderes schwere Gerät bis zum Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen sicher an die Einsatzstelle zu bringen. Dave kaufte den 140er mit weniger als 60.000 km und benutzt ihn nun für die Arbeit an Funkmasten des RAC im morastigen Hochland von Yorkshire und in Schottland.

Schnell füllt sich der Platz um uns: Russel Hearn kommt das 10. Mal mit seiner Land Rover Familie. Zu den zwei wunderschönen 86", einer haargenau restauriert mit den Insignien des Zivilschutzes und dem Mini Landrover für Tochter Victoria hat er nun einen dritten gekauft. Denn die Miniatur wird für Victoria zu klein, sie soll nächstes Jahr am ihrem 17. Geburtstag zum Führerschein einen 80er aus dem Jahr 1949 bekommen, der auch an ihrem Geburtstag das erste mal angemeldet wurde.

Kurz darauf richten sich die ersten Deutschen neben uns ein. Der Aachener Euregio Stammtisch ist mit 10 Fahrzeugen gekommen, die meisten sind 110er. Vor vier Jahren trafen sich zwei Landrover auf einer Kreuzung - ohne Blechschaden- erklärt mir Dieter Jacabs auf meine Nachfrage. Das intensive Gespräch wurde schnell an einen Tresen verlegt, Stunden später war es entschieden: wir brauche einen Stammtisch. Dieser erfreut sich nun reger Teilnahme aus Deutschland und den beiden Nachbarländern. Ein Teileflohmarkt wurde auch schnell eingerichtet, anfangs 5 Stände wurden zu heute 30.

<Peter's Bus> von Takeo De Meter

Ich betrachtete gerade das Schild unserer Nachbarn: 'COLD German beer 1£' und den offensichlich guten Absatz an durstigen Angelsachsen, so dicht beim offiziellen Bierzelt, als mich lautes Zähneknirschen aus einem Getriebe, gefolgt von kreativen Flüchen aufschreckte. Hinter mir führte ein sehr ungewöhnlicher Forward Control gerade ein Parkmanöver im Rückwärtsgang aus. So etwas hatte ich sicher noch nicht gesehen, eine Buskarosserie, die zu gut passte um das Werk eines Wochenendschraubers zu sein. Annette füllte ihre ihre fossile 6x7 mit frischen 10 Schuss Film, ich spitzte meinen Bleistift mit dem Schweizermesser.

Nachdem er sauber zwischen einem anderen Forward Control , gefüllt mit einer halben Tonne Schrott und ein paar Mülltonnen eingeparkt hatte, wand sich der Fahrer des Busses geschickt hinter dem Steuer hervor, während er seinen Freunden erklärte, daß sich dieser @£$%! Schalthebel dieses !@*%£ Busses wieder mal verkeilt hatte und er endlich mal diesen *^$£@& Fahradbremshebel loswerden muß, an dem mal wieder der Zug gerissen war. Dieser Fahradbremshebel war an der Schaltung des Reduziergetriebes montiert und erleichterte irgendwie das Einlegen der niederen Gänge, aber fragen Sie bitte nicht warum das funktionierte.

Wir haben uns dann als freischaffende Journalisten vorgestellt und Peter, soeben dem Bus entschlüpft, stellte sich als Peter, freischaffender Forward Control Besitzer, vor. Mit seinen Freunden hatte er einen neuen Forward Control Club gegründet, das hier war ihr erstes Treffen.( An diesem Tag waren sich bereits 16 neue Mitglieder beigetreten). Gerne beantwortete Peter unsere Fragen.

Der Bus, war wirklich und wahrhaftig ein Bus. Nun er sah aus wie ein Bus, machte Geräusche wie ein Bus und wenn der Fahrer noch aussieht wie ein Busfahrer, dann handelt es sich wohl um einen Bus. Der Serie 2a Bus ist der einzige Überlebende seiner Art der 6 (sechs) von Walker im Jahr 1963 in Kooperation mit Land-Rover gebauten Sonderfahrzeuge. Nach der Entwicklungsabteilung diente er Land Rover als Personalbus / Manschaftswagen, die Fahrgestell-Nummer ist 286-00151-B. Das Personal,wird geflüstert, liebte ihn nicht so sehr weil man darin so schnell seekrank wurde. In den 70er Jahren kam er dann als Werkstattwagen nah Kingston und schliesslich zu einem schottischen Liebhaber ungewöhnlicher Lösungen wie der Fahradbremse.

Peter, ein sehr fröhlicher und freundlicher Mensch, lud uns nun ein, seinen vor 14 Monaten erworbene, dritten Forward Control näher zu betrachten. Von aussen sah er ziemlich sauber aus, man konnte sogar die Spuren mehrfacher heldenhafter Polierversuche erkennen, auch das Fahrgestell machte einen soliden Eindruck, keine Spur von Rost. Unter der Haube hatte der erfinderische Schotte ein undurchdringliches Kabelknåuel installiert, ein zweckfreies Gespinst ins Nirvana verlaufender Strippen. Peter sucht noch einen Freiwilligen, der ihm hilf das zu entwirren.

Die Schiebetür ließ sich leicht öffnen, es fiel auch nichts bemerkenswertes heraus außer dem halben Inhalt einer Werkzeugkiste, einem Besen und einem Eimer, was vernachlässigbar wenig war gemessen am Inhalt des Busses, der 3 weitere Werkzeugkisten, zwei Starter, 500kg Schüttgut und eine Kochecke enthielt. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge und nicht unmittelbar zu erreichen, aber gut ausgestattet. Nun bat Peter Annete herein, bat sie jedoch auch über nichts zu fallen, da er sein Hubsdach zeigen wollte. Das war ein Werk des besagten Schotten.

Es handelte sich wirklich um den geråuumigsten Forward Control der je gebaut wurde. 10 Kubikmeter Laderaum, oder für 12 Kinder und zwei Hunde und Verpflegung. Selbst ein Pferd hätte man darin mitnehmen können, für den Apschlepp-Notfall. Unglaublich.

Natürlich trat dieser FWC auch in der Arena auf. Peter lud mich ein, die 400 m dorthin als Beifahrer mitzufahren. Diese Rangierübung dauerte 30 Minuten Gelächter, nicht mehr zu bremsen als Moderator David Bowyer Peter bedeute, Voll nach rechts einzuschlagen. Aber klar doch, er war voll eingeschlagen. Was dann auch mit zwei Pokalen gekrönt wurde.

Gegenüber dann Dave Wallington's 6x6 Range Rover. Das ist nicht zu verwechseln mit den Carmichael 6x4 Range Rovernn. Scotthorn baute ihn als einen von 5 insgesamt um auf 6x6, dabei wurden Dana Achsen verwendet. Er war ein Demonstrationsfahrzeug, wurde ursprünglich 1979 als 2 Sitzer Gebaut, schließlich 1982 registriert.

Nigel & Kerstin Wilson, ein englisch- schwedisches Archäologenpaar, fand im letzten Herbst diesen raren Lightweight Serie 2a, der 449. seiner Art. Nur wenige davon existieren noch im Originalzustand. Er hatte eine leichtes Leben beim Signal Corps, bevor er 1980 ausgemustert wurde. Die nächsten zwei Privatbesitzer pflegten ihn so gut, daß Nigel und Kerstin snur ein gebrochenes Fenster reparieren und den Originalmotor wider einsetzen mussten. Nigel hat übrigens einen 3er Lightweight als Arbeitsfahrzeug.

Beim Serie 1 Club blieb unser Blick sofort an diesem voll einsatzfähigen Löschfahrzeug von 1956 hängen. Mr White erwarb ihn von der General Electric Company im Jahr 1998, wo er bis dahin vom ersten Tag an vor allem mit dem mechanischen Nebenantrieb (PTO) gute Dienste bei Antrieb der original Land Rover Wasserpumpe geleistet hatte. So konnte Mr whitew ihn mit nur 4000 Meilen auf dem Tacho erwerben. Für uns ausländische Jounalisten zeigt er dann gerne, was seine Feuerwehr noch kann. In Sekundenschnelle ist das Fahrzeug löschbereit, schliesslich war es ja vor weniger als einem Jahr noch als Reservefahrzeug beim Hochwasser in Dienst genommen worden. Auch jetzt steht der hervorragend erhaltene Landy noch in der Reserve des Kreises Northampton im Dienst! An der gelungenen Demonstration haben jung und alt ihre reine Freude.

Beim 101er Forward Control Club zeigt uns Mr Billingham seine GS 10 mit ungewöhnlichem Aufbau: Der Frontlenker begann seine Armeekarriere 1977, diente hauptsächlich bei den Royal Mechanical Engineers, wurde 1995 ausgemustert und kam 1996 zu seinem Jetzigen Besitzer. Der war es nämlich leid, mit Traktor und Wohnanhänger zu landwirtschaftlichen Oldtimer Treffen zu fahren. Da beschloß er, in den 101er eine abnehmbare Wohnkabine einzubauen. So konnte er das seltene Fahrzeug unangtastet lassen, ohne auf jeden erdenklichen Komfort verzichten zu müssen. Nur eine Propananlage kam hinzu, um den hungrigen V8 zu füttern ( ja warum kamen eigentlich nur die Jungs mit den 101ern auf diese Idee? Habe ich vielleicht den einzigen 109er V8 auf LPG?)

Der 101er Club hat noch mehr schönens auf Lager: Schneewittchen muss diesen wunderschönen ehemaligen Desert Rat" inspiriert haben. Dieser war als Krankenwagen nur wenig im Einsatz, darum hatte er nur 64.00km hinter sich als er 1999 ausgemustert wurde.

Nun gingen wir einen deutschen Club besuchen: Vom Niederrhein kommen die Brüder von Bönninghausen und wohl 10 ihrer Clubkollegen. Gregor v.B. hat einen Serie 1 88 mitgebracht, der in einer Landwitschaftsschule als Ausbildungsfahrzeug für den entwicklungsdienst diente: Reparature und Einsatz wurden geübt, bis er 1988 ausgemustert wurde. Her v. B hat ihn dann komplett restauriert. Sein Bruder Edgar kam mit dem Serie 2 von 1964, der bereits durch den Vorbesitzer restauriert wurde. Aus dem englischen Militär stammend, wurde er nun auf LPG umgerüstet und mit einem Bleifreikopf versehen.

Der Camel Trophy Club demonstrierte eindrucksvoll, wie man sein Chassis fachgrecht zurechtlegt, um den Dreck abzukratzen, oder um mit dem öl aus dem einen Radlager das gegenüberliegende zu ölen

Unser österreichischer Freund Wolfgang zeigt hier sein unverzichtbares Land Rover Zubehör, das alpinen Klappklosett.

Dier Club für Ex Militär Land Rover (EMLRA) zeigt einen rot markierten Sprengstofftransporter und diesen minensicheren 109er: Überollbügel und verstärkter boden sollten ge gen Personenminen schützen. Mehr psycholgisch, sagt mein Mann, doch hätte er gerne im Nahen Osten diese schußsichere Wand hinter sich gehabt.

Billy Cho und Frau sind wohl die am weitesten angereisten Besucher. Herr Cho besitzt in Taiwan fünf Defender, gerade hat er in Südafrika für seine Klubkameraden 8 weitere bestellt.

Noch zwei besondere Forward Controls Dieser FWC von Mark Ramsey kam aus Zypern, wo kein Streudienst den Rost fördert, und war daher bestens erhalten: Es ist der 22. von insgesamt 168 gebauten Diesel Forward Controls.

Der 2b von 1969 hat eine 2,6 Liter Maschine und diente bis heute als Baufahrzeug. Er war eine gute Alternative zum Fahrzeug mit Anhänger mit seinen 1,5 Tonnnen Zuladung.

Doch unsere Freunde vom Serie 2 Club ( hier in der Arena) hatten noch mehr auf Lager: Abends, so sagte mir David Dutton, sollten wir unbedingt vorbeikommen für das Landroverdachrudern - ???!!?? Ja, das haben sie wirklich getan: Man kann auf einem 109 dach Kahn fahren, das billing Aquadrome ist hervorragend geiegnet. Schon 3 Meilen haben sie so zurückgelegt. Natürlich gibt es hin und wieder kleine Verkehrshindernisse, doch selbst der Tanz an Bord ist möglich!

Nun wir werden nicht verpassen, was diese Jungs das nächste Jahr auf Lager haben!